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Friedensstifter auf Besuch im Klassenzimmer

Die Friedensstifter haben diese Woche die Klassen der Unterstufe besucht und den Kindern eindrücklich vorgeführt, wie Streit geschlichtet wird. Und ihnen klar gemacht, dass sie dabei auf Mithilfe der Streitenden angewiesen sind.

Stopp heisst Stopp

Aufgebracht rangeln in der Theaterszene die beiden Streithähne um einen Reifen. Die Friedensstifterin bietet ihre Hilfe an. Aber erst als sie laut und entschieden darauf besteht - 'Stopp heisst Stopp!' -, nehmen die beiden Distanz voneinander.
Anschliessend fordert sie beide Seiten auf zu erzählen, was passiert ist. Dabei dürfen sich die Kinder nicht gegenseitig ins Wort fallen. Die Friedenststifterin fasst dann zusammen, was sie von beiden Seiten gehört hat und fragt die Gegner, wie sie sich nun fühlen. Beide sind ruhiger geworden und zeigen sich bereit, nach einer Lösung zu suchen. Der erste Vorschlag der Friedensstifterin führt noch nicht zur Einigung. Aber schliesslich finden die beiden selber einen Kompromiss: Sie wollen den Reifen abwechslungsweise benutzen.

Wie man zu einer Lösung kommt

Gebannt verfolgen die Schülerinnen und Schüler von ihren Bänken aus das Geschehen: Jeder von ihnen hat solche Szenen schon erlebt.
Die Schulsozialarbeiterin Barbara Kaiser erklärt anschliessend den Erstklässlern, dass es Zeit braucht um Streit zu schlichten. Das bedeutet auch, dass die Kinder auf die Friedensstifter hören müssen. Nur dann können sie sich auf den Prozess einlassen, ruhiger werden und schliesslich selbstständig und gemeinsam eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden.

Frieden stiften macht einfach Spass!

Nadia besucht die vierte Klasse Raether. Sie ist schon bald ein Jahr im Einsatz und bereits eine erfahrene Friedensstifterin. Mich nimmt wunder, warum sie Friedensstifterin werden wollte und wie das vor sich gegangen ist.
Sie erzählt: 'Es macht einfach Spass, wenn ich ein Problem lösen kann! Ich habe es gerne, wenn es friedlich ist. Darum habe ich mich auch mit einem Brief als Friedensstifterin beworben.
Dann musste ich mich vorstellen und einige Fragen beantworten. Schliesslich wurde ich an zwei Tagen ausgebildet. Seither patroulliere ich regelmässig jeweils im Team mit zwei oder drei anderen Friedensstiftern auf dem Pausi.'
Ich habe Nadia auch schon im Einsatz gesehen, und es ist beeindruckend, wie klar sie auftritt. Sie weiss ganz genau, wie sie vorgehen muss, damit die Kinder es schaffen, ihren Streit beizulegen. Natürlich klappt das nicht immer. Ich frage sie, was die schwierigste Aufgabe war - und was die schönste.
Sie muss nicht lange überlegen: 'Das war beides die gleiche Szene! Einmal musste ich bei zwei Jungen helfen, die haben sich um einen Fussball geschlagen. Die waren derart wütend, dass ich fast eine ganze Stunde dran bleiben musste, ich habe sogar eine Lehrerin beigezogen. Bis sie am Ende schliesslich wirklich selber einen Kompromiss gefunden haben: Sie wollten in Zukunft den Ball einfach aufwerfen, und derjenige der ihn fangen konnte, sollte mit ihm spielen. Das hört sich jetzt nicht nach einer grossen Sache an. Aber ich war sehr stolz auf mich, dass ich hartnäckig geblieben bin, bis die beiden eine Lösung fanden. Manchmal braucht es extrem viel Geduld.'
Ich sage Nadia, dass ich ihren Einsatz wirklich bewundernswert finde. Mehrmals im Jahr nimmt sie an Weiterbildungen teil. So gibt sie viel Freizeit und natürlich immer wieder ihre Pausenzeit für die gute Sache auf. Nadia lächelt - und fügt an: 'Ich bin aber kein Engel - wenn ich nicht im Einsatz bin, kann ich auch mal richtig austeilen. Aber es ist einfach am schönsten, wenn es allen gut geht!'